Am gestrigen Freitag hatte anona zu einem Betriebs- besuch eingeladen. Grund war die offizielle Inbetriebnahme des Werk 2. Die beiden Geschäftsführer Matthias Dietzsch und Wolfram Strauch stellten in einer Beamerpräsentation die Geschichte des Werkes dar, was in 2 Jahren seinen 200sten Geburtstag feiern wird. Für Jeden erstaunlich, was in 2 Jahrhunderten für eine kolossale technische Entwicklung dieser einstigen Mühle stattgefunden hat. 1826 zur Verarbeitung unseres heimischen Getreides gegründet, angetrieben vom Wasser der Zwickauer Mulde über den Mühlgraben. Aus dem Schlobach- schen Privatbetrieb entstand in der DDR anona. 1970 entwickelte man einen damals ungewöhn- lichen Artikel, das Softeis. Es machte anona so bekannt, dass vor allem in den Urlaubsgebieten dieses Produkt eine hohe, kaum abzudeckende Nachfrage fand. Dann kam die Wieder- vereinigung und der VEB anona wurde reprivatisiert. Es war eine harte Zeit für unsere Industriestadt Colditz – viele Betriebe schlossen, darunter auch das weltbekannte Porzellanwerk.
1994 begann anona die Umstellung der Produkte auf Sporternährung, die einen großen Zuspruch fand. Heute produzieren wir mit rd. 600 Mitarbeitern aus 4 Kontinenten Pulver, Kapseln, Riegel, Tabletten und Liquids, dazu kommen das Softeis, Streicher und Eisgetränke. Die Erweiterung durch Werk 2 war eine Investition von 16 Mio Euro. Sie war einfach nötig, weil die erforderliche Fläche auf dem Werk 1 – Glände eine derartige Erweiterung gar nicht hergab – es entstand Werk 2. Auch energetisch stellen wir uns nun um; 686 Solarmodule liefern uns 250 000 kWh / Jahr. 100 000 vollautomatisch hergestellte Sachets pro Schicht verlassen Werk 2. Wir vertreiben derzeit unsere Produkte in Kooperation mit einer Vertriebsfirma an 100 Kunden weltweit. Um diesen positiven Erfolg überhaupt zu erzielen, ist eine intensive Zusammenarbeit mit Hochschulen wie Dresden oder Mittweida erforderlich. Eine Öffentlichkeitsarbeit darf ohnehin nicht fehlen. Wir sind ein Colditzer Unternehmen; so gehört es zu unserem Konzept, die ortsansässigen Schulen, Kindereinrichtungen, Sportvereine oder den Jugend- verein GoTeam finanziell zu unterstützen.
Auf die Frage, wie es denn mit der Integration von Asylanten aussehe – eine klare Antwort. Wir sind als Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen. Es ist unsere Aufgabe, für eine schnelle Integration von Arbeitskräften und Lehrstellen zu sorgen. Der Behördenweg ist zu lang; wir brauchen die Arbeitskräfte. Wir wollen auch die Leiharbeitsstellen drastisch minimieren; Festanstellungen schaffen. Die Fluktuation lässt sich trotzdem nicht verheimlichen; einer der Hauptgründe ist die schlechte Verkehrsanbindung. Um den Familien die Arbeitsbe- dingungen zu verbessern, unterstützen wir die Kinder auch zusätzlich finanziell; 60 T Euro wurden allein 2024 schon ausgegeben. Hinter uns liegen Corona und der Ukraine-Krieg: gab es da hier Probleme? Ja, Corona haben wir halbwegs gut überstanden, doch den Krieg in der Ukraine spürten wir unerwartet; uns fehlte z.B. das dringend benötigte Sonnenblumenöl; doch nun funktioniert alles wieder. Die Rohstofffrage ist für uns wichtig, denn wir verarbeiten rund 20 000 Tonnen Rohstoff / Jahr. Jeder Riegel soll möglich zuckerfrei sein, aber schmecken.
Etwas verspätet trafen dann MP Michael Kretschmer und LR Henry Graichen (beide CDU) ein. Sie nahmen Stellung zu Problemen, die derzeit nicht nur anona, sondern uns alle betreffen. Kretschmer stellte als eine der Hauptbelastung die immer mehr werdende Bürokratie dar. Um eine Kleinigkeit machen zu dürfen, wäre ein enormer Schreibkram erforderlich. Was anona beträfe, wäre z.B. das gerade erlassene Lieferkettengesetz eine weitere Belastung. Bürokratie müsse reduziert werden. “Deutschland rückt in der Welt der wichtigsten Industrienationen immer weiter nach hinten; das muss sich ändern”. Die komplizierte Integration Arbeitswilliger müsse vereinfacht, und nicht gebremst werden. Anona sei ein gutes Zeichen, wie durch Reduzierung des Bürokratismus es zu schnellen Erfolgen führen könne. Hier wurde seitens der Geldgeber geprüft und entschieden – ja, das Konzept einer Betriebserweiterung ist gut; wir machen es. Die Einholung behördlicher Stellungnahmen hätte das Ganze um Jahre zurückgeworfen. Auch LR Graichen nannte ein Colditzer Problem beim Namen; die Verkehrsanbindung. Wir haben seit Jahren eine Busverbindung nach Bad Lausick geschaffen, sie kürzlich durch den Rufbus erweitert. Alles wird gut angenommen, doch es reicht einfach nicht. Colditz sei verkehrstechnisch abgehängt. Die Bahnstrecke Großbothen – Rochlitz müsse wieder reaktiviert werden. Für die Strecke Leipzig – Bad Lausick – Glauchau habe er schon die neuen wasserstoffgetriebenen Fahrzeuge bestellt. Einige natürlich auch für die Strecke Großbothen – Rochlitz; egal ob sie bis dahin wieder in Betrieb sein wird; man sollte in die Zukunft blicken.
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Der bericht war sehr aufschlussreich und ermöglichte einen guten Einblick in die Firma. Allerdings hätte man auf den sich ständig in den Vordergrund drängenden Herrn Graichen gut verzichten können. ( das gilt nicht nur für diesen Bereich! )